Papenburg vor Ort
Obenende entfesseln – Schluss mit der Verhinderungsverwaltung
Das Obenende hat alles, was ein starker Stadtteil braucht: engagierte Menschen, leistungsfähige Unternehmen, Handel und Gastronomie, Ärzte und Apotheken, die Kanäle, die Von-Velen-Anlage, große Veranstaltungen und eine unverwechselbare Geschichte. Nur wurde daraus zu lange kein Gesamtprojekt. Ideen lagen vor, Investoren waren bereit – trotzdem wurden Vorhaben verzögert oder verhindert.
Papenburg hat das Obenende zu oft nur verwaltet, statt es entschlossen weiterzuentwickeln.
Fünf Chancen, die zusammengehören
- Ein wirtschaftlich starkes Zentrum: Handel, Gastronomie, Veranstaltungen und Stadtmarketing so verbinden, dass Besucher länger bleiben und Leerstände zurückgehen.
- Wasser, Natur und Tourismus als Erlebnis: Kanäle, Von-Velen-Anlage, Camping, Kanufahren, Blumenflächen und die „Johanna“ zu einem Gesamtangebot entwickeln.
- Durchdachte Verkehrswege: Splitting, Umländerwiek links, Michaelschule, Busbahnhof, Nordtangente, Bolwinsweg und Kreisel nicht länger einzeln betrachten.
- Gesicherte Gesundheitsversorgung: MVZ Birkenallee, Campus Papenburg, Praxen, Krankenhaus, Pflege und Apotheken zu einem Versorgungsnetz verbinden.
- Eine Verwaltung mit Tempo: aus dem Bauamt ein Ermöglichungsamt machen.
Zentrum: aus Besuchern Kunden machen
Das Oldtimertreffen erreicht nach vorliegenden Angaben fast 20.000 Besucher, auch die Braderie bringt erhebliche Besucherströme. Künftig werden Veranstaltungen, Handel und Gastronomie als gemeinsames Wirtschaftsprojekt vorbereitet – mit Veranstaltungsplan, gemeinsamem Werbeauftritt und konkreten Angeboten der Betriebe.
Dazu kommen nutzbare Außenflächen für die Gastronomie in den Querstraßen, ein zusammenhängender Mittelpunkt aus Michaelisplatz und Töllers Garten sowie eine Bestandsaufnahme für den Alten Turm und die Baulücken. Auch die Aufgabenabgrenzung von Papenburg Locals kommt auf den Prüfstand: Ein Stadtmarketing, das praktisch auf das Untenende beschränkt ist, wird dem Obenende nicht gerecht.
Wasser, Grün und Geschichte
Eine Machbarkeitsstudie soll klären, ob sich rund um Splitting, Hümmlingstraße und Von-Velen-Anlage ein erlebbarer Wasserrundkurs für Kanus und kleine Freizeitboote schließen lässt. Parallel wird der Zustand der Kanäle abschnittsweise erfasst – Verschlickung, Wassertiefe, Sauerstoffgehalt – und in einen verbindlichen Pflegeplan überführt.
Eine Million Blumenzwiebeln fürs Obenende, eine weitere fürs Untenende, langfristig 15 Millionen Blüten für Papenburg. Die Papenburger Idee von 2020/2021 wurde nach vorliegenden Angaben aus Sicherheitsgründen beendet; Cloppenburg zeigt mit „Cloppenburg blüht auf“, dass es sich mit abgesicherten Arbeitsbereichen umsetzen lässt.
Und der Verein Papenbörger Hus arbeitet am Nachbau der „Johanna“. Daraus kann mehr werden als ein ausgestelltes Schiff: ein Lern-, Erlebnis- und Veranstaltungsort, verbunden mit Von-Velen-Anlage, Kanälen und touristischen Wegen.
Verkehr im Zusammenhang statt in Einzelteilen
Splitting, Umländerwiek links, die Wege- und Busbahnhofsituation an der Michaelschule, die Nordtangente sowie Bolwinsweg und Kreisel werden als ein Projekt behandelt. Bevor Straßen umgebaut werden, wird berechnet, welche Verkehrsströme die Nordtangente am Obenende tatsächlich abnimmt – bei rund vier Millionen Euro Stadtanteil und 2,4 Millionen Euro vom Land muss diese Entlastung nachgewiesen sein.
Beim Bolwinsweg wird eine alte Idee neu geprüft: 2001 entworfen, 2008 verkehrsplanerisch bestätigt, 2015 durch eine Stichstraßenlösung ersetzt. Beide Varianten kommen mit aktuellen Daten auf den Tisch, Entscheidung 2027.
Gesundheitsversorgung sichern
Im Planungsbereich Papenburg sind nach vorliegenden Angaben bereits 16 Hausarztsitze unbesetzt. Niedersachsens Hausärzte sind demnach durchschnittlich 55,6 Jahre alt, bis 2035 gehen voraussichtlich rund 1.300 von ihnen in den Ruhestand.
Das Obenende hat mit dem MVZ Birkenallee, weiteren Praxen und dem Campus Papenburg starke Strukturen – sie dürfen nur nicht länger als Einzelprojekte arbeiten. Stadt, Campus, MVZ, niedergelassene Ärzte, Krankenhaus, Pflege, Apotheken und Kassenärztliche Vereinigung brauchen einen gemeinsamen Zehnjahresplan.
Vom Bauamt zum Ermöglichungsamt
Der schärfste Punkt des Papiers: In der Papenburger Verwaltung habe sich eine Verhinderungskultur entwickelt, durch die Investoren und Initiativen ausgebremst wurden oder in Nachbargemeinden abgewandert sind.
Zwei Beispiele werden genannt: Das gemeinschaftliche Seniorenwohnprojekt in Klosterform von Willy Lückmann und Dirk Terfehr wurde am Obenende nicht ermöglicht und wird heute in Rhede weiterentwickelt. Das von Dr. Volker Eising begleitete medizinische Versorgungszentrum zeigt ebenfalls, wie Rhede ein bedeutendes Gesundheitsprojekt in kurzer Zeit voranbringen konnte.
Künftig soll gelten: fester Projektbegleiter ab dem ersten Gespräch, schnelle Machbarkeitsprüfung, verbindlicher Zeitplan, klare Entscheidungsschritte. Die Vorschriften bleiben – der Weg zur Umsetzung wird gemeinsam organisiert.
Der Zeitplan
Alle Maßnahmen kommen in eine gemeinsame Projektliste mit Ausgangslage, Ziel, Verantwortlichen, Kosten, Finanzierung und Fertigstellungstermin. 2027 werden Prüfungen, Beteiligung, Förderanträge und Ausführungsplanungen abgeschlossen, ab 2028 beginnen die ersten baulichen Maßnahmen.
Für jeden stadtweiten Investitionsrahmen – 30 Millionen Euro für Straßen, 20 Millionen für Kanalisation und Entwässerung, acht Millionen für Kanäle und touristische Wege, fünf Millionen für Klimaanpassung, sieben Millionen für Versorgungs- und digitale Infrastruktur, fünf Millionen für Gesundheit – soll offengelegt werden, welcher Anteil am Obenende ankommt. Woher die Summen stammen, steht unter A.1 Finanzierung; umgesetzt wird nach dem Papenburger Vier-Säulen-Modell.
Die vollständige Fassung
Dieser Text fasst zusammen. Das vollständige Papier beschreibt alle 22 Punkte im Detail – mit Ausgangslage, Zielen und Zahlen zu jedem einzelnen: